Wie du die richtigen Entscheidungen treffen kannst
Psychologen gehen davon aus, dass wir täglich bis zu 20.000 Entscheidungen treffen. Berechnen wir durchschnittlich 8 Stunden Schlaf, so trifft der Mensch alle 3 Sekunden eine Entscheidung. Eine enorme Anzahl, die unser Gehirn leisten muss. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass mindestens 95 Prozent unserer Denkleistungen und Entscheidungen unbewusst ablaufen. Den Großteil unserer Entscheidungen treffen wir also nicht kognitiv-bewusst, sondern automatisch-intuitiv. Evolutionsbedingt hat dieser unterbewusste Entscheidungsprozess enorme Vorteile: da Entscheidungen viel Zeit und Energie kosten, versuchen wir unterbewusst, Denkprozesse zu vereinfachen. Es entstehen Muster, die ohne rationales Nachdenken auskommen. So können wir schneller reagieren und wertvolle Energie für andere Prozesse einsetzen.
Keine Entscheidung erfolgt ohne Emotion. Laut dem Neurologen Donald Caine führen nur unsere Emotionen zum Handeln, der Verstand dient der Beurteilung. Laut dem Hirnforscher Gerhard Roth ist das Bewusstsein eine Art Regierungssprecher, der Entscheidungen nachträglich interpretieren und legitimieren muss, deren Gründe er aber gar nicht kennt. Auf den Punkt gesagt “erfindet” unser Bewusstsein nach der getroffenen Entscheidung eine Begründung, die plausibel erscheint und unser Handeln rechtfertigt. “Sekundäre Rationalisierung“ nennt man den Vorgang unseres Gehirns, unsere Entscheidungen im Nachhinein zu rechtfertigen und uns glauben zu lassen, es sei das genau Richtige gewesen.
Meistens wissen wir eigentlich schon, was wir tun müssen, um voranzukommen – die Beziehung beenden, einen neuen Job suchen, mit unserem Chef über die Ausbildung / Gehaltserhöhung / Beförderung sprechen, mehr Sport treiben, neue Freunde finden usw. Aber wir wollen uns oft nicht mit den Konsequenzen auseinandersetzen und haben so eine Angst vor der Veränderung, dass wir lieber in der vermeintlichen Komfortzone bleiben. Meistens ist es die Angst, die uns festhalten lässt – die Angst, überwältigt zu werden, jemanden zu verärgern oder an uns selbst zu glauben; die Angst vor Veränderung / Ungewissheit; oder die Angst vor Planung und Disziplin.
“Nur eine bewusste Entscheidung für das Wichtige verhindert eine unbewusste Entscheidung für das Unwichtige.“
– Stephen R. Covey –
Die richtige Entscheidung treffen
Welche Strategie wendest du an, wenn du eine schwierige Entscheidung treffen musst? Die meisten von uns wägen das Für und Wider ab, erstellen ggf. Pro- und Contra-Listen. Oder sie hören auf ihr Bauchgefühl oder befragen ihr direktes Umfeld oder Social Media und holen sich Rat und Meinungen ein. Aber die meisten von uns neigen dazu, einfach gar nichts zu tun. Zu risikoreich erscheint das Ungewisse, zu stark verharren wir im vertrauten Status quo.
Steven Levitt, Wirtschaftswissenschaftler an der University of Chicago, hat sich in einer Studie der Frage gewidmet, wie wir am besten schwierige Entscheidungen treffen.
Für die Studie bat Levitt Menschen, die vor schwierigen Entscheidungen standen, auf einer eigens dafür erstellten Website eine digitale Münze zu werfen. Die Münzen wurden nach dem Zufallsprinzip geworfen, wobei eine Seite für Veränderungen und die andere für den Status quo stand. Entscheidungsfragen waren z.B.:
Soll ich mit dem Rauchen aufhören? Soll ich adoptieren? Soll ich meine Beziehung beenden? Mich tätowieren lassen? Mieten oder kaufen?
Im Rahmen der Studie wurden mehr als 20.000 Teilnehmer*innen gebeten, die Entscheidung zu treffen, die der Münzwurf vorgab, und dann nach zwei und sechs Monaten darüber zu berichten, wie sich die Dinge entwickelt hatten. Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen, die sich für eine Veränderung statt für Untätigkeit entschieden haben, nach sechs Monaten selbst angaben, dass es ihnen besser geht und sie glücklicher sind. Sowohl nach zwei als auch nach sechs Monaten berichteten die meisten Personen, die sich für eine Veränderung entschieden hatten, dass sie sich glücklicher und wohler fühlten und dass sie die richtige Entscheidung getroffen hatten und sie wieder treffen würden.
“Eine gute Faustregel bei der Entscheidungsfindung lautet: wann immer Sie sich nicht entscheiden können, was Sie tun sollen, wählen Sie die Aktion, die eine Veränderung darstellt, anstatt den Status quo beizubehalten”, so das Fazit von Steven Levitt.
Wenn du also bei einer wichtigen Lebensentscheidung unentschlossen bist, wähle den Weg der Veränderung. Wie der Stanford Professor Albert Bandura einst beobachtete, kommt ein starkes Gefühl von Selbstwirksamkeit nicht dadurch zustande, dass Schwierigkeiten ignoriert werden. Echte Selbstwirksamkeit erfordert, die Schwierigkeiten zu kennen und zuversichtlich zu sein, dass man sie besiegen wird. Oder wie Osho sagte: “Mut schenkt dir ein neues Leben. Wähle immer den Mut… Mut ist die Bewegung ins Unbekannte, ungeachtet aller Ängste.“
“In dem Augenblick, in dem man sich endgültig einer Aufgabe verschreibt, bewegt sich die Vorsehung auch. Ein ganz normaler Strom der Ereignisse wird durch diese Entscheidung in Gang gesetzt, und er sorgt zu den eigenen Gunsten für zahlreiche unvorhergesehene Zufälle, Begegnungen und materielle Hilfen, die sich kein Mensch vorher je so erträumt haben könnte.”
– W.H. Murray –
Die Neurowissenschaft von Entscheidungen
Wie du ein bessere Entscheidungen triffst
Warum ist die Entscheidungsfindung oft so quälend? In allen Bereichen des modernen Lebens gibt es eine explosionsartige Zunahme an Optionen – Karriere, Mobilfunkverträge, Urlaub… Ein zu viel an Entscheidungen überfordert und ermüdet. Angenommen, du hast den ganzen Tag in deinem Job das Sagen. Wenn du nach Hause kommst und dein/e Partner/in dich nach den Plänen für das Wochenende fragt, fühlst du dich ausgelaugt und weichst der Frage aus. Entscheidungsmüdigkeit schwächt auch die Selbstbeherrschung. Es ist schwer, dem Kuchen zu widerstehen, wenn du gerade eine Menge Entscheidungen getroffen hast. Wenn du aber einen entscheidungsarmen Tag hattest, hast du die Energie, Nein zu sagen.
Fällt es dir schwer, dich zu entscheiden – selbst bei so kleinen Dingen wie dem, was du essen willst? Barry Schwartz, Psychologieprofessor am Swarthmore College und Autor des Buches “The Paradox of Choice” (Das Paradox der Wahl), sagt, die Antwort lautet: Es gibt keine richtige Antwort.
Schränke die Auswahl ein, indem du dich fragst, welche Faktoren dir am wichtigsten sind: “Welche Art von Essen möchte ich? Welche Preisklasse? Kann ich zu Fuß hingehen?” Sieh dir nicht mehr als sechs Optionen an und wähle diejenige aus, die deinen Vorstellungen entspricht. Wenn mehr als eines die Kriterien erfüllt, nimm das erste auf der Liste. Vergiss es, “das Beste” zu finden – das ist lähmend. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass du ein schlechtes Essen bekommst.
Ockhams Rasiermesser
Zum Thema Entscheidungsfindung passt die Ockhams Rasiermesser Theorie. Ockhams Rasiermesser (engl. Occam’s Razor) ist eine nach dem Philosophen und Theologen William von Occam (1288-1347) benannte Regel. Es ist die Regel der Einfachheit, der Sparsamkeit und der Kohärenz. Die einfachere, unkompliziertere Erklärung wird der komplizierteren Erklärung vorgezogen. Kurz gesagt bedeutet diese Theorie: bei zwei Möglichkeiten ist meistens die einfachere die richtige bzw. bessere. Die einfachste Erklärung ist folglich immer die wahrscheinlichste. Das gilt auch für unser Leben, Handeln und unsere Entscheidungen.



