Wie unsere Wahrnehmung unser Leben bestimmt
“Krank werden viele Menschen deshalb, weil sie das, was sie krank macht, für etwas halten, das sie glücklich machen soll.”
Neurobiologe Gerald Hüther
Die meisten von uns halten ihre “Realität” für etwas äußeres, für etwas faktisch Unverrückbares, das man objektiv betrachten, feststellen und selten ohne Weiteres ändern kann. Wir sind überzeugt, dass die äußere Welt realer ist als unsere innere Welt. Doch ist bei genauem Hinsehen “die Realität” etwas äußerst Subjektives und ein Ergebnis unserer Wahrnehmung, unserer Erfahrungen und Gedanken- und Verhaltensmuster. Denn alles, was im Äußeren geschieht, gewinnt seine Form und seinen Sinn erst durch unsere eigene gedankliche Deutung. “Wir beschreiben nicht die Welt, die wir sehen; wir sehen die Welt, die wir beschreiben”, schrieb René Descartes.
So, wie wir unsere Stunden leben, so leben wir auch die Tage. So, wie wir unsere Tage leben, so leben wir auch unser Leben. Die Worte, die wir sprechen, die Gedanken, die wir denken, das Essen, das wir zu uns nehmen, all das, was wir tun und nicht tun, formt unser Sein, definiert unsere Zukunft und bestimmt unser Schicksal.
Unser Gehirn ist evolutionär geprägt in permanenter Alarmbereitschaft und hält nach dem Ausschau, was nicht stimmt. Unser Gehirn neigt dazu, unsere Misserfolge und unser “Versagen” sich viel stärker einzuprägen und überzubewerten als unsere Erfolge. Die Basis hierfür liegt in unserem Überlebensinstinkt. Studien zufolge braucht uns Gehirn mit ca. 12 Sekunden einige Sekunden länger, um Positives im Bewusstsein zu speichern. Negatives hingegen setzt sich sehr viel schneller in unserem Gehirn fest.
Unser Gehirn, das uns permanent vor Gefahren beschützen will, wird immer dann in Alarmbereitschaft versetzt, wenn wir eine uns nicht vertraute oder besonders aufregende Situation erleben. Um der potenziellen Gefahr zu entgehen, verharren wir lieber in unserer vermeintlichen Komfortzone, halten an Vertrautem fest und lassen uns nicht auf etwas Neues ein. Die meisten Menschen verbringen den überwiegenden Teil ihres Lebens damit, im Überlebensmodus und im Stress zu leben. Sie rechnen also immer mit einem schlimmen Ereignis oder einer negativen Entwicklung, basierend auf einer vergangenen Erfahrung. Sie wählen gedanklich aus den vielen Möglichkeiten das schlimmstmögliche Ergebnis aus und fangen an, es emotional mit Angst aufzuladen, und sie konditionieren ihren Körper auf einen Zustand der Angst und fokussieren dies mental. Und irgendwann werden die Menschen süchtig nach dem Rausch dieser Emotionen und sie benutzen die Probleme und Bedingungen in ihrem Leben, um ihre Begrenzung zu bestätigen.
“Bevor Du jemanden heilst, frage ihn, ob er bereit ist aufzugeben, was ihn krank macht.”
Hippokrates
Das Buch “Ein Kurs in Wundern” betont zu Recht, dass wir, immer wenn wir unglücklich sind, unbewusst glauben, das Unglücklichsein verschaffe uns das, was wir haben wollen. So absurd es also klingt, oft ziehen wir das Verharren in Leid, Unglück, Unzufriedenheit und Misserfolg positiver Veränderung vor; denn mit dieser Verhaltensweise wird ein elementares Gefühl in uns befriedigt: Vertrautheit. Diese gibt uns ein vermeintliches Gefühl von Sicherheit, wohingegen Veränderung als Bedrohung und als unkalkulierbares Risiko erscheint. Unser Verstand ist durch unsere Vergangenheit konditioniert und versucht so immer wieder, das zu erschaffen und daran festzuhalten, was er aus der Vergangenheit kennt und was ihm vertraut ist. Selbst Leid, Stress, Misserfolg und Krankheit usw. sind wenigstens vertraut. Zudem gibt uns unsere Vergangenheit ein Gefühl von Identität. Viele Jahre lang haben wir unsere Identität unbewusst über unsere Probleme oder unser Leiden definiert. Unser Verstand haftet immer am Bekannten und Vertrauten.
Selektive Wahrnehmung
Es wird in unserem Leben das wahr, woran wir wirklich glauben. Nach dem Gesetz der Resonanz kommen genau die Dinge, Ereignisse und Menschen in unser Leben, die wir nach unseren tiefsten Überzeugungen erwarten. “Du ziehst nicht das an, was du willst. Du ziehst das an, wovon du glaubst, dass es wahr ist“, schrieb Neville Goddard.
Unser Blick auf die Welt erfolgt so durch die Brille unserer vergangenen Erfahrungen und entsprechend reagieren wir auf das Neue immer mit unseren Schablonen des Bekannten. Das Gehirn wird so zu einer Aufzeichnung der Vergangenheit. Wir denken in der Vergangenheit und erzeugen dadurch die immer vergleichbaren Gefühle und schaffen die immer gleichen Resultate. So wird die vertraute Vergangenheit früher oder später zu einer vorhersehbaren Zukunft. Denn zum größten Teil erschaffen wir immer wieder das gleiche Leben. Immer, wenn wir auf eine bestimmte Weise handeln, verstärken wir den Grund dafür, so zu handeln.
Die mentalen Programme unserer Gedanken hinterlassen immer auch physiologische Spuren und verändern unsere synaptischen Verbindungen, also die Strukturen unseres Gehirns. Und genau daraus folgt dann unser immer gleiches Denken, Fühlen und Verhalten. Unser Körper gewöhnt sich auch biochemisch an bestimmte, negative Emotionen und Gedanken und wird durch die konsequente Wiederholung wie süchtig danach. Das führt zu einer Verstärkung des immer gleichen Verhaltens, Denkens und Fühlens. Wenn wir 35 Jahre alt sind, bestehen 95 Prozent unserer Persönlichkeit aus gespeicherten Verhaltensweisen, emotionalen Reaktionen, unbewussten Gewohnheiten, fest verdrahteten Einstellungen, Überzeugungen und Wahrnehmungen, die wie ein Computerprogramm unbewusst funktionieren.
“Ich erwarte immer, dass gute Dinge passieren. So zu denken verwandelt Gedanken oft in eine selbsterfüllende Prophezeiung.”
Sam Walton
Eine rein selektive Wahrnehmung negativer Gedanken macht nicht nur unglücklich und führt zu schlechteren Resultaten, sondern kann unter Umständen auch das Fundament einer Depression, Trauer oder anhaltend negativer Gedanken werden. Damit einher gehen oft auch ständige, selbstsabotierende Selbstgespräche und negative Gedankenspiralen.
In der digitalen Welt verstärkt sich der Filter unserer selektiven Wahrnehmung: Facebook und Co. zeigen uns beispielsweise zunehmend nur noch Nachrichten und Informationen, die zu unseren persönlichen Interessen und Überzeugungen passen. Und irgendwann glauben wir an diese äußert subjektive Welt und sehen uns in unseren Glaubenssätzen bestätigt. Der Social Media Circle wird schnell zur Echokammer.
Unsere Realität
Unser Erleben wird in jedem Moment neu erzeugt – durch Aufmerksamkeitsfokussierung. Vermutlich kennt es jeder von uns, wie sehr unser innerer Zustand unsere Umgebung verändert. So kann es vorkommen, dass wir an dem einen Tag an der U-Bahn-Haltestelle stehen und uns umgeben fühlen von liebevollen, fröhlichen und sympathischen Menschen. Und einen Tag später machen uns die anderen einfach nur wütend, traurig oder einsam. Ob wir uns glücklich oder unglücklich fühlen, hängt von den neuronalen Verknüpfungen unseres Gehirns ab. Unsere Wahrnehmung formt unsere Realität. Unsere Außenwelt ist dabei ein Spiegel der Qualität unserer Innenwelt.
Die Realität, an die wir glauben, ist oft nur unsere eigene Geschichte über die Wahrheit, die wir uns immer und immer wieder erzählen. Und irgendwann werden unsere Geschichten zu unserer Identität, ohne zu überprüfen, ob sie wahr sind. So lernen wir vorwiegend aus dem Teil unserer Geschichte, auf den wir uns konzentrieren. Doch jede Realität verändert sich mit dem Blickwinkel, aus dem sie wahrgenommen wird. Unsere Interpretationen der Realität sind dabei fast immer ungenau. Wir verzerren, fälschen, verallgemeinern, beurteilen und löschen die Realität, personalisieren und verwandeln unsere Geschichten durch den Filter unseres Egos in Geschichten, dass sie zu unserer subjektiven Weltsicht passt. Und wir glauben lieber so fest an die Richtigkeit unserer Geschichten, dass wir eher erfolglos, arm, krank, erschöpft, allein und unglücklich sind, als die Richtigkeit unserer Geschichten zu hinterfragen und unsere “Wahrheit” aufzugeben. Das Festhalten an unsere Geschichten verursacht dann unser Leiden. Diese Geschichten werden zur Rechtfertigung für unsere Weltanschauung, für unser Handeln, für unsere Emotionen und werden um jeden Preis verteidigt. Oft versuchen wir dann, andere von unserer Selbsttäuschung zu überzeugen, um darin die äußere Bestätigung unserer inneren Unsicherheit zu finden.
“Ich könnte dir zeigen, dass alles, woran dein mächtiger Verstand sehr intensiv glaubt, augenblicklich in Erfüllung geht.”
Paramahansa Yogananda
Unsere Gedanken
Jeder Tag hat 86.400 Sekunden und 1.440 Minuten. Wir verbringen ca. 90.000 – 125.000 Stunden im Leben mit Arbeit. Durchschnittlich hat jeder Mensch 60.000 bis 80.000 Gedanken pro Tag, trifft täglich bis zu 20.000 Entscheidungen, interagiert mit ca. drei neuen Menschen, verbringt ca. sieben Stunden im Internet, besucht ca. 140 Webseiten und interagiert indirekt mit 500 bis 700 anderen Menschen, nutzt dafür durchschnittlich drei technische Geräte, sechs Anwendungen, vier soziale Netzwerke, drei Messaging-Apps – und all diese gleichzeitig. Das „Ping“ des Smartphones ist neuronal längst so verankert, dass jede Nachricht etwas Aufregendes, Gutes bedeuten könnte, das man keinesfalls verpassen dürfte. So werden Nachrichten im Minutentakt abgerufen, soziale Netzwerke gecheckt, der eigene Wert an der Anzahl der Likes gemessen, Informationen nur noch per Headlines konsumiert, Vergleiche zu anderen routinemäßig gezogen und Ideen, News und Links auf eine endlos werdende To Do-Liste gesetzt. Einer Studie des American Institute of Science zufolge sind von den durchschnittlich 65.000 Gedanken pro Tag ungefähr 80 Prozent genau dieselben Gedanken, die wir auch am Vortag hatten.
“Du wirst morgen sein, was du heute denkst.”
Buddha
Und ein Gedanke ist nicht unbedingt wahr, nur weil man ihn hat. Unser Unterbewusstsein kann bis zu 80.000 Informationen pro Sekunde aufnehmen, verarbeiten und speichern und ist somit 10.000-Mal schneller (und klüger) als unser bewusster Verstand, auf den wir uns so sehr konzentrieren. Das Unterbewusstsein steuert zu ca. 95 – 99 Prozent die Funktionen unseres Organismus. Unser Körper dupliziert und redupliziert die Zellen und Organe unseres Körpers kontinuierlich während unseres gesamten Lebens. Wir haben nicht denselben Körper wie vor sieben Monaten. In diesem Augenblick steuert unser Unterbewusstsein die Funktion unseres Herzens, hält das Nervensystem aufrecht, verdaut Nahrung, baut Muskeln auf, stößt zahlreiche Zellen ab, spült Abfall aus unserem Organismus, organisiert, repariert und ersetzt Milliarden von Zellen usw.
Das Unterbewusstsein steuert auch die Ausführung unserer Gedanken und Handlungen. Unser Unterbewusstsein funktioniert gewohnheitsmäßig, es reagiert auf die gleichen Lebenssignale immer mit dem gleichen Verhaltensmuster.
Unsere Worte
Unser Erfolg in jedem Bereich hängt davon ab, wie wir mit uns selbst reden. Denn unser Geist führt das aus, was wir ihm durch unseren inneren Dialog vorgeben. Unsere Worte und inneren Bilder werden unsere eigene Realität. Unser Gehirn unterscheidet dabei nicht, ob die Worte und Bilder, die wir innerlich produzieren, real oder eingebildet sind. Worte rufen Assoziationen hervor, Assoziationen rufen Erinnerungen hervor, und Erinnerungen beeinflussen das Verhalten. Irgendwann wird das, was wir zu uns selbst immer wieder sagen zu dem, was und wer wir wirklich sind. Und falsche Worte schaffen eine falsche Realität. So haben beispielsweise Forschungen ergeben, dass ein wesentlicher Grund für Depressionen harte, kritische Worte sind, die wir uns immer und immer wieder selber sagen. Studien besagen, dass wir zu ca. 62 Prozent unserer emotionalen Sprache negative Wörter verwenden.
Wenn wir unser Leben verändern wollen, müssen wir uns verändern. Und wenn wir uns verändern wollen, müssen wir unsere Gedanken und unsere Sprache verändern. Der Psychologe William James schrieb: “Die Erkenntnis, dass das Unterbewusstsein durch Gedanken gelenkt werden kann, ist vermutlich die größte Entdeckung aller Zeiten.“ Daher: Wenn wir bessere Ergebnisse in unserem Leben wollen, müssen wir anfangen, besser, klarer und positiver mit uns zu kommunizieren und eindeutige Anweisungen an unseren Verstand geben. Wir ändern uns schnell, wenn wir die Worte, die wir verwenden, radikal ändern. Bereits Platon, einer der bedeutendsten Philosophen aus dem antiken Griechenland, sprach dem gesprochenen Wort eine heilende Wirkung zu.
Der japanische Parawissenschaftler und Alternativmediziner Dr. Masaru Emoto beschäftigte sich in den 1990er Jahren mit dem Einfluss von positiven und negativen Gedanken, Gefühlen, Worten und Musik auf Wasser. Emoto zeigte eindrücklich, wie sich Wasser verändert, wenn es menschlichen Worten, Gedanken, Geräuschen oder sogar Absichten ausgesetzt wird – positiv wie negativ.
Jede unserer Handlungen, Empfindungen und Reaktionen wird von einer unserer gewohnten Denkweise gesteuert. Wenn wir genau hier etwas verändern, ändern sich auch unsere negativen Gewohnheiten, unsere Glaubenssysteme und sogar unsere körperliche Biochemie verändert sich.
Unsere Wahrnehmung
“Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will”, bemerkte der Philosoph Arthur Schopenhauer treffend. Was wir individuelle Freiheit nennen, ist also in Wirklichkeit eine Illusion, ein Konstrukt unseres Verstandes, unserer Gewohnheiten und mentalen Programme.
Ein wesentlicher Teil des menschlichen Verhaltens wird durch die Wahrnehmung bestimmt. Die Wahrnehmung ist eine der wichtigsten Grundlagen für zwischenmenschliche Beziehungen. Wie eine Person sich verhält, hängt zum großen Teil davon ab, wie diese Person die sie umgebende Welt wahrnimmt. Fachlich spezifiziert man „Wahrnehmung“ auch noch in “soziale Wahrnehmung”, die durch individuelle Bedürfnisse, Erwartungen, Erfahrungen, Motivation, Vorurteile und innere Prägungen bestimmt wird. Kurz gesagt ist die Wahrnehmung die eigene, subjektive Interpretation der Wirklichkeit.
Weil Entscheidungen viel Zeit und Energie kosten, versuchen wir unterbewusst, Denkprozesse zu vereinfachen. Es entstehen Muster, die ohne rationales Nachdenken auskommen. Dabei täuscht uns oftmals unser Gehirn. Dieses Phänomen nennt man kognitive Verzerrung, also Fehlinterpretationen und Fehlwahrnehmungen unseres Gehirns. Diese können dazu führen, dass wir falsche Schlüsse ziehen und uns so systematisch selbst täuschen. Darunter fällt z.B. der sogenannte IKEA-Effekt: Menschen empfinden für selbst hergestellte Produkte eine höhere Wertschätzung als für vergleichbare Produkte. Menschen messen also einer Sache mehr Wert bei, in die sie Arbeit investiert haben. Dieses mentale Vorgehen ist eine Art Abkürzung im Gehirn, in der Menschen Entscheidungen treffen, die stark von ihren aktuellen Emotionen beeinflusst werden.
Wir sehen die Situationen also meist nicht so, wie sie ist, sondern durch unseren einprogrammierten Wahrnehmungsfilter. Unsere Erwartungen prägen unsere Wahrnehmung stärker als unsere Empfindungen. Vieles, was wir erleben, wird uns nicht bewusst, sondern im Unbewussten vorgefiltert oder abgefangen – meist um bestimmte Vorgänge zu automatisieren. Rein rationale Entscheidungen sind beim Menschen nicht möglich. Wir entscheiden immer auch affektiv-emotional und mithilfe unseres Erfahrungswissens.
Würde ein CIA-Agent, eine Reinigungskraft und ein Innenarchitekt in einen ihnen unbekannten Raum gehen, würde jeder dieser drei Personen ganz unterschiedliche Dinge wahrnehmen, beachten und bewerten.
Der renommierte Neurowissenschaftler David Eagleman schrieb:
„Unsere Wahrnehmung ist nicht nur eine unvollständige bis falsche Rekonstruktion der Welt, sondern sie gibt obendrein vor, ein vollständiges Bild zu sein, obwohl wir in Wirklichkeit nur das sehen, was wir sehen müssen, und nicht mehr. Die meisten Dinge muss das Gehirn gar nicht wissen. Es muss nur wissen, wie es an die Informationen kommt, wenn es sie benötigt. Es weiß, was es wissen muss“.
Bekommt unser Gehirn beispielsweise zwei Informationen, die sich widersprechen und die wir deshalb nicht gut miteinander verknüpfen können, entsteht eine Hierarchie in unserem Kopf. Wir machen in dem Moment am liebsten das, was wir schon kennen.
Unsere Erfahrung bestimmt, was wir sehen:
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Optische Täuschungen
Wir können nie alle Aspekte gleichzeitig durch unsere Sinne wahrnehmen. Von den 100 Prozent unserer Sehnerven haben nur 17 Prozent eine Verbindung zur Außenwelt. 83 Prozent sehen im strengen Sinne gar nichts, sondern sind Rückkopplungsschleifen im Gehirn. Es findet folglich keine lineare Wahrnehmung von Außen ins Innen statt, sondern wir erzeugen selektiv unsere Wahrnehmung von innen heraus. Aus dem Licht, das in unsere Augen fällt, erschafft unser Gehirn ein Bild von der Welt. Die dreidimensionale Welt wird auf unserer zweidimensionalen Netzhaut abgebildet. Wenn wir etwas im Außen sehen, treffen visuelle Reize von lichtreflektierenden Gegenständen auf unsere zweidimensionale Netzhaut, die von unserem Gehirn verarbeitet werden und dann ein dreidimensionales Bild ergeben. Allein durch diesen Prozess gehen zahlreiche Informationen verloren. Die Wirklichkeit wird durch unser Vorwissen ergänzt und viele Informationen werden nicht wahrgenommen. Im NLP wird dieser Prozess Verzerrung, Verallgemeinerung und Tilgung genannt. Was auch immer wir annehmen, wir finden für unsere Annahmen Beweise und werden so schnell in unseren Denkmustern gefangen. Unsere individuellen neuronalen Verknüpfungen unseres Gehirns bestimmt über unser subjektives Bild von der Welt und unsere jeweiligen Erfahrungen.
Dieses Bild ist ein gutes Beispiel dafür, wie unsere Wahrnehmung uns täuschen kann. Interessant ist, dass dieses Bild sich auch dann zu bewegen scheint, wenn wir bereits wissen, dass es sich um ein statisches Bild mit optischer Täuschung handelt:

Die subjektive Wahrnehmung sowie unsere Erfahrungen bestimmen, ob wir dort zwei sich anschauende Gesichter oder eine Vase sehen:

Reframing
Der verzweifelte Versuch, die äußere Welt an unsere innere Erwartung anzupassen, macht unglücklich. Dinge, Ereignisse oder Personen sind nur negativ, wenn wir ihnen die Bedeutung geben, negativ zu sein. Unsere Gefühle – ob positiv oder negativ – erschaffen wir dabei immer selbst und wir entscheiden, welche Bedeutung wir ihnen geben. Wir projizieren das auf andere, was in uns selbst ist. Wichtig ist nicht das, was andere zu uns sagen. Wichtig ist das, was wir zu uns selber sagen, nachdem andere etwas zu uns gesagt haben. In dem Moment, in dem wir erkennen, dass niemand außer uns selbst die Macht über unsere Gedanken, Gefühle und Entscheidungen hat, erkennen wir, dass wir frei sind. Es geht darum, die wahre Ursache unserer Umstände zu erkennen und unser Leben aktiv zu erschaffen, anstatt permanent auf das Leben zu reagieren, das wir nicht wollen. Eine der wesentlichen Ursachen für unser Leid besteht darin, dass wir hoffen und erwarten, dass jemand anderes irgendwann für uns handeln und unser Leben ändern möge und die Zeit ein Teil der Lösung unserer Probleme sei. Andere Menschen mögen und respektieren uns meist in dem Maße, wie wir uns selbst mögen und respektieren. Fangen wir also an, wieder Gestalter*in unseres Lebens zu werden.



